CHEVROLET Corvette "Stingray"

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BAUJAHR: 1972
ZYLINDER: V 8
HUBRAUM: 350 cui
LEISTUNG:

147 KW

EXTRAS:

Alarmanlage
Klimaanlage
elektrische Fensterheber
Schaltgetriebe
T-Top
herausnehmbare Heckscheibe
höhenverstellbares Lenkrad


Andreas` Corvette Stingray

Ich beschäftige mich schon seit zwanzig Jahren mit alten Fahrzeugen. Ich glaube ich habe inzwischen einen Blick dafür entwickelt, wenn außergewöhnliche Fahrzeuge beim Händler oder auf einem Hof stehen. So war es auch im Mai 2000. Aus dem Augenwinkel sah ich bei einem Autohändler in Sande, eine außergewöhnliche Autoform aus dem sonstigen Autoeinheitsbrei hervorschimmern. Das Objekt wurde in Augenschein genommen und als Corvette Baujahr 1972 identifiziert. Es war das letzte Baujahr mit den schönen Chromstoßstangen. Ich wollte einmal in meinem Leben eine Corvette fahren und so bat ich um eine Probefahrt, ohne aber ernsthafte Kaufabsichten zu haben (der Kaufpreis von 20.000,-DM deckte sich in keiner Weise mit meinem Kontostand!).

Nach der Probefahrt, die ich nicht hätte machen sollen, war es um die Vernunft geschehen.

Die Adern voller Adrenalin und mit vom Motorengeräusch klingelnden Ohren (ein Endschalldämpfer fehlte), wurde leicht benommen ein Verkaufsgespräch geführt. Vier Kaffee später und mit einem Nachlaß von 4000,- DM sowie der Zusage des Händlers den Wagen noch durch den TÜV zu bringen, hielt ich den Kaufvertrag in den Händen.

Langsam setzte der Verstand wieder ein und ich verglich Soll und Haben. Ich war um 16.000,- DM leichter (wobei das keine echte Erleichterung war) und um eine Corvette reicher, deren Lack blühte wie ein Aknegeschwür eines Pubertierenden. Die Sache mit dem TÜV habe ich bis heute nicht verstanden. Dem Prüfer hat man wohl etwas in den Kaffee getan. (s.o.)

Um nur einige Mängelpunkte zu nennen: Hupe war nicht! Begrenzungsleuchten eingeschlagen!!, wohl um sie außer Betrieb zu nehmen. Scheinwerfer öffneten nicht. Gurte für den einmaligen Gebrauch, sie hingen nach Benutzung lustlos in der Ecke herum! Blinker? Ab und zu ging einer. Von dem Wasser in der Fahrgastzelle will ich gar nicht reden.

Auf der anderen Seite hatte ich eine unverbastelte und sich im Originalzustand befindende Corvette. Matching Numbers, Ehrensache! Beim anschließenden Zerlegen fand ich unter den Sitzen eine Handvoll Dollar und Centstücke, somit war der Kaufpreis noch einmal gedrückt. Aufkleber waren alle original.

Erst einmal fahren ... Zwischenzeitlich reparieren ...

Ein „Fachmann“ verriet mir, daß das Hupenrelais sich neben der Lenksäule unter dem Armaturenbrett verbirgt. Da ohne Demontage des gesamten Armaturenbrettes kein Hupenrelais erkennbar war, baute ich das Armaturenbrett kurzerhand aus (vier Tage Arbeit), um dann festzustellen, das es sich gut zugänglich im Motorraum verbirgt. Kein Kommentar.

Der Öldruckmesser des Fahrzeuges wird mechanisch über eine Öldruckleitung angesteuert. Dieses Wissen wurde mir folgendermaßen vermittelt: Auf der Autobahn fing meine Fußmatte langsam an ihre Reibung auf dem Teppich zu verlieren. Der erste Gedanke: Wassereinbruch!

Doch ein dezenter Ölgeruch ließ sich nicht leugnen. Fazit: Ölleitung gerissen! Das schöne an der Sache war, daß das Öl erst durch den Teppich quoll, nachdem sich die circa einen Zentimeter dicken Filzdämmatten vollgesogen hatten. Um die teure Auslegware zu retten habe ich sie in der Waschmaschine mehrmals gewaschen. Die Kommentare meiner Frau werden hier verschwiegen, aber es hat einigermaßen funktioniert.

Die Lackierung:
Mehrere Kostenvoranschläge beliefen sich immer weit jenseits der 10.000,- DM Grenze. Unbezahlbar ...
Aber wie so oft kam der Zufall zur Hilfe. Ein mir zu Dank verpflichteter Lackiermeister bot mir an, das Auto zum Materialpreis zu lackieren. Sieben Wochen wurde das Auto bearbeitet. Es wurde komplett zerlegt, und der alte Lack restlos entfernt. Dabei verschliß er zwei Heißluftföne. Nun folgte der Neuaufbau der Lackierung. Auf die Glasfieberkarosse wurde eine neue Schicht Kunstharz aufgebracht. Der Wagen sah nun aus wie ein Glasmodell. Anschließend folgte der professionelle Lackaufbau in dem Farbton, in dem der Wagen 1972 das Werk verließ. Ein Neufahrzeug stand vor mir. Kosten: Kunstharz, Grundierung, Lack, Klarlack, Zerlegen, Zusammensetzen und zwei Industrieföne : 3000,-DM !

Ach ja, Kaufangebote gab es auch.
Einer sei erwähnt. 27.500,- DM BAT (bar auf Tatze) bot mir ein potentieller Käufer. Er reiste dafür circa 200 Kilometer an. Ich wollte mich von dem Auto trennen und sah nur das Geld.

Ich wollte nur eine letzte Probefahrt an diesem Tag machen. Die Sonne schien, und das Dach war herausgenommen. Der Motor brummte zufrieden. Wie diese letzte Probefahrt ausging? Siehe oben.

Der Käufer zog nach drei Kaffee wutschnaubend mit seinem Geld von dannen. Das beruhigende Gefühl eine Corvette zu besitzen, welche man eigentlich gar nicht braucht, blieb mir erhalten!

Eine kleine Anmerkung sei mir am Schluß erlaubt. Wenn Ihr nicht ganz sicher seid ob ihr eine Corvette kaufen wollt, macht keine Probefahrt!

Gruß,

Andreas!


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last update: 06.10.2001